Ich war letztens auf einer Veranstaltung und hörte das erste Mal was von Intim-Schönheitschirurgie. Dass es auch „untenrum“ Schönheitsideale gibt, war mir schon bewusst (leider, wie schön wäre eine Gesellschaft ohne), aber ich dachte, da hätte es sich mit Rasur oder Waxing getan. Weit gefehlt.

Eine Praxis klärt mich auf ihrer Website auf, dass „ein häufiges, aber äußerst intimes Problem […] verlängerte oder vergrößerte innere Schamlippen oder erschlaffte äußere Schamlippen“ seien. Und dass sei so störend für die Patientinnen, „dass sie Saunabesuche, Sexualkontakte oder das Tragen enger Kleider vermeiden“.

Zusätzlich könnten vergrößerte innere Schamlippen „beim Sport oder Geschlechtsverkehr auch zu starken Schmerzen führen“. Wenn dem wirklich so ist, sollte es natürlich geändert werden (dürfen). Aber wie ist das bei Männern, deren Geschlechtsorgane ja viel Kontakt mit Fahrrad- oder Pferdesätteln haben, haben die auch Schmerzen? (Infos darüber gerne in die Kommentare.)

Um diese Schmerzen zu verringern und natürlich vor allem, um den Idealen zu entsprechen, werden unter anderem Schamlippenkorrekturen, -verkleinerungen und Vaginalstraffung angeboten.

Um es vorweg zu nehmen: Ich verurteile keine Frau, die sich einer (Genital-)Schönheits-OP unterzieht! Und wenn eine solche Operation dazu führt, dass Frau sich in ihrem Körper wohl(er) fühlt und dann glücklicher und selbstbestimmt leben kann – super! Die feministische YouTube-Bloggerin Suzie Grime zum Beispiel hat sich ihre Brüste vergrößern lassen.

Was ich aber kritisch sehe, ist der gesellschaftliche Druck, der auf uns allen und auf Frauen insbesondere lastet. Da geht es um jünger, schlanker, fitter. Und wenn du nicht so jung, schlank und fit bist, dann zeige dich bitte nicht in der Öffentlichkeit. Es ist der Grund, warum es so gut wie keine körperlich vielfältige Werbung gibt, warum es mir nach dem Blick in Frauenmagazine schlechter geht oder warum schon junge Mädchen Diäten machen.

Laut Anna-Katharina Meßmer, die ihre Doktorarbeit zum Thema „Überschüssiges Gewebe – Intimchirurgie zwischen Ästhetisierung und Medikalisierung“ geschrieben hat, sind es nämlich nicht direkte Erwartungen der Männer an ihre Freundinnen oder Ehefrauen, die viele Frauen zu dem Eingriff bewegen. Sondern es ist der gesellschaftliche Druck, „weil es in der Gesellschaft eine sehr präsente Vorstellung davon gibt, wie sich Frauen verhalten sollen und wie ihre Körper auszusehen haben.“

Weiter veranschaulicht sie:

„Wenn man nachmittags mal fern schaut, dreht sich fast jede zweite Werbung um Diätprodukte. Der weibliche Körper wird immer als defizitär dargestellt. Er wird erst mit Hilfe von Diätprodukten, Kosmetika, ästhetisch-plastischen Eingriffen oder Hanteln zum guten Körper.“

Würden sich also weniger Frauen diese OPs an sich machen lassen, wäre der weibliche Körper gesellschaftlich anders konnotiert?

Gundula Schildhauer, Sexualtherapeutin, sagte auf besagter Veranstaltung, dass Männer nie etwas machen würden, was ihre Lust mindern würde. Und da die gesamte Vulva der Lust dient/dienen kann, rät sie davon ab, etwas davon weg zu schneiden oder zu beeinträchtigen.

Wie steht ihr zu Intim-Schönheits-OPs? Können sie empowernd sein? Ist es jede*r selst überlassen?