… um mich besser einzufühlen.

Im Studium haben wir mit Hilfe von Rollstühlen getestet, ob unsere Uni barrierefrei ist. Also zumindest, ob Menschen mit einer Gehbehinderung alle Seminarräume erreichen können. Daraufhin kam mir eine Idee.

Als mir die ersten Burka-Trägerinnen in Hamburg auffielen und mir eine vollverschleierte junge Frau erzählte, dass sie vielen Anfeindungen ausgesetzt sei, überlegte ich, ob ich micht mal einen Tag in fremden Schuhen gehen sollte. Einen Tag lang Burka tragen, um mich besser einfühlen zu können. So, wie ich mich vermeintlich damals kurz in das Leben eines Menschen mit Behinderung eingefühlt hatte.

Aber so wenig, wie unser Uni-Experiment reflektiert wurde von bzw. im Gespräch stattfand mit Menschen, die derartig von der Geselllschaft behindert werden, so wenig wäre ein Tag Burka für mich zu mehr nütze, als mich experimentierfreudig und tolerant zu fühlen. Damals wie heute war/wäre es lediglich ein „von außen gucken“. Ich würde mir von außen eine Meinung bilden, mir das Recht dazu nehmen. Und zwar aus meiner Position heraus, nicht derart behindert und diskriminiert zu werden.  Ja, höchstwahrscheinlich würde ich burkatragend sehr unschöne Erfahrungen machen. Aber ich bin keine Muslima, mein Glauben würde nicht angegriffen werden und ich wüsste die ganze Zeit, dass ich am Abend zurück in mein weißes* Leben kommen würde. Und ohne Einladung und Begleitung durch Frauen, die Burka tragen, hätte das Ganze doch sehr was von Fasching.

Ich kann mich aber auf teilnehmende Beobachtung im Allltag stützen, auf Erfahrungsberichte von Burka-Trägerinnen und außerdem gibt es einige Selbstversuche von Menschen, die sich von solchen Überlegungen nicht abschrecken ließen. Ich verlinke die nicht, da ich mir die Berichte oder Videos nicht genau angesehen habe und nicht weiß, ob ich nicht Kritik daran hätte 😉 Trotzdem halte ich jedes Bemühen, sich in andere Menschen einzufühlen, für gut.

Wie ich feministisch zur Verschleierung stehe, kann ich noch nicht sagen. Es gibt so viele kluge Meinungen pro und contra Verschleierung und Texte von Feministinnen mit Kopftuch – damit möchte ich mich erst noch genauer befassen. Und das Gespräch suchen, das bringt meiner Meinungsbildung sicher mehr als ein uneingeladener und unreflektierter Tag in fremden Schuhen.

 

*_Was meint die Autorin damit? Nachzulesen hier.